Emotional fühlt es sich wie Einbruch und Diebstahl an

Bleibt nach einer Trennung einer der Ehepartner im gemeinsamen Haus, hat folgendes zu geschehen, belehrt mich der Rechtsanwalt:

Der Miteigentümer oder Eigentümer hat JEDERZEIT unangemeldet das Recht, jeden Raum zu betreten und sich gemeinsames Eigentum mitzunehmen. Es ist mir verboten, die Schlösser zu tauschen oder mich sonst wie davor zu schützen.

Emotional fühlt sich das für mich jedesmal wie Einbruch/Diebstahl an: Jemand, der mir schon längst nicht mehr wohl gesonnen ist, schnüffelt in meiner Abwesenheit in meinen Sachen. Selbst in meinem persönlichsten Eigentum. Nimmt Dinge mit, selbstverständlich ohne zu fragen, ohne überhaupt ein Wort darüber zu verlieren. Das nächste Mal, wenn ich etwas brauche, zweifle ich an meinem Verstand. Bis mir einfällt: „Ups, das gibt es wohl in unserem Zuhause nicht mehr.“ Aber ich kann nichts dagegen tun. Es stehen mir als zurückgebliebenem Partner und den Kindern nicht ein Minimum an Privatsphäre mehr zu. So als wäre man bereits in Privatkonkurs gegangen. Vielleicht soll das ja die emotionale Vorbereitung darauf sein, wie sich das anfühlt. Die mitgenommenen Gegenstände darf ich mir – laut rechtlicher Auskunft – in einem Zivilverfahren wieder zurück erstreiten. Als ob sich das lohnen würde.

Versucht jedoch der betrogene Partner dem anderen eine außereheliche Beziehung, – zB. zwecks besserer Verhandlungsbasis für Unterhaltszahlungen -, nachzuweisen, indem man Beweise durch Beschattung, Beobachtung ermitteln möchte, gerät man schnell in die Gefahr wegen Stalking vor Gericht gezerrt zu werden. Da in diesem Fall die Privatsphäre des anderen verletzt wird.

Aus meiner Sicht wird hier eindeutig mit zweierlei Maß gemessen! Keinerlei Rechte für eine Seite und alle Rechte für die andere. Ich glaube nicht, dass diejenigen, die diese Gesetze gemacht haben, sich jemals darüber Gedanken darüber gemacht haben, welches emotionale Leid sie mit so einer Rechtssprechung verursachen.

Sämtliche rechtlichen Beratungen im letzten halben Jahr, egal ob bei Gericht oder kostenpflichtig bei Anwälten haben eher nur mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert.

Wirklich klar war nur: Einvernehmlich geschieden heißt noch lange nicht, dass deswegen „schuldig“ für eine Seite vom Tisch ist. Sondern nur, dass man sich vorher einfach ausmacht, was Sache ist.

Die Erstberatungen bei Gericht trieften vor Zynismus: „Es bleiben immer Opfer!“ Der Tatbestand, dass ich meine Existenz bei Verlust des Hauses mitverliere, ist rechtlich nicht relevant. Wozu dann das Rechtsmittel der Billigkeit? Nur zur Abzocke? Ebenso wenig, wie dass das alte Hoftor, das sich aus der Angel riss, weil jahrelang nur mit Gewalt zu öffnen, einfach ignoriert wurde – vom Techniker im Haus, mich fast erschlug. Vernachlässigung der Beistandspflicht will niemand für den Architekten erkennen…. Das hilft mit fast 50 Jahren und zwei Pflegekindern nicht wirklich weiter.

Die Empfehlung, auf Unterhalt zu verzichten, nur weil ich im Moment zu viel verdiene (!), wurde bei Gericht gleich drei (3) Mal ausgesprochen. Einzig eine Anwältin in Karenz riet davon ab: Denk an später! Pensionsansprüche. Was ist, wenn Du den Job verlierst? Krank wirst? Österreich ist eines der wenigen Länder, wo es noch „schuldig geschieden“ und damit Unterhaltszahlungen gibt. Sei nicht dumm und verzichte auf etwas fast Einzigartiges in Europa.

War für mich schon sehr auffällig war, dass ausgerechnet DIE Anwältin mir riet, nicht zu verzichten, die nicht an einer einvernehmlichen Scheidung und der anschließenden Schlammschlacht um das Materielle verdienen würde. Irgendwie habe ich das Gefühl, den Bock zum Gärtner zu machen, wenn mich der Anwalt berät, der dann an den Verhandlungskosten verdient. Denn die richten sich dann auch noch nach dem Streitwert. Und bei einem endfälligen Kredit – sind die dann auch noch doppelt so hoch wie der Reale wert bei 100% Finanzierung, wie in unserem Fall. 

Da sollte man etwas ändern – sicher nicht, solange man die Parteien so wunderbar schröpfen kann – verdienen doch alle prächtig daran – außer den eigentlich Betroffenen.

Jahrelang hintergangen, vereinsamt, neige ich sicher nun dazu, leicht paranoid zu reagieren. Deshalb freue ich mich auf die Diskussion zu diesem Beitrag besonders mit Männern und betroffenen Frauen. Von denen ich im letzten halben Jahr einige kennen lernen durfte. Viele kämpfen ums „nackte Überleben“  und mit ihnen ihre Kinder – dank unserer Rechtssprechung. Einige haben verzichtet, nur um endlich wieder Frieden finden zu können. Gleichzeitig  ist ihre Verzweiflung fast greifbar ob der erlittenen Ungerechtigkeit.  Nur mit zwei, drei Jobs sind sie in der Lage, die finanziellen Belastungen zu bewältigen. Dem Partner, der gegangen ist, dem muss man in jedem Fall eine Chance auf ein neues Leben geben – sagt unsere Rechtssprechung. Und welche Chancen dürfen die Zurückgebliebenen haben? Hier bleibt meist die Aussicht auf ein Leben in permanenter finanzieller Bedrängnis, womöglich Armut und auf den Verlust des Zuhauses?

Wie lautet Eure Meinung hierzu?

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