Wie Phönix aus der Asche

Oferl ganz II 150dpiEinst war das kleine geliebte Urtonoferl  von terra termica aus dem Blättertal bei Gutenstein in der Buckligen Welt ein gemeinsames Weihnachtsgeschenk gewesen. Das „Baucherl“ zum Wärmen hatte den Umzug aus dem 23. Bezirk im Jahr 2002 unbeschadet in die neue Heimat, das heutige Casa Carla überstanden. Inzwischen hatte es Patina angesetzt. Die Kids fanden Ihren Spaß daran die blauen Ziersteine zu entfernen und so manchen Tritt beim Schaukeln musste es auch aushalten. Ein „Künstler verzierte“ mit Slimy-Fingern das einst mit viel Liebe geschaffene kleine Kunstwerk.

Verletztes Schild II 150dpiDoch wirklich unbrauchbar gemacht, habe ICH das überdimensionale „Tonhäferl“. Indem ich glaubte, Wachsreste als Brennstoff verwenden zu müssen. Mit der Vorstellung, damit die Brenndauer – vor allem über Nacht – maßgeblich verlängern zu können, habe ich, schon vor Jahren,  immer wieder Kerzenreste verheizt. Zu spät ließ sich erkennen, dass das Wachs sich nicht verbrannt hatte, sondern in den Ton gesickert war. Diesen Sommer musste nun das alte Dach weichen. Ein neuer Dachstuhl nahm seinen Platz ein. Das über hundert Jahre alte, teilweise extrem morsche Holz schien ideal zum Heizen. Weit gefehlt. Durch den permanenten Betrieb oder die große Hitze… Auf jeden Fall mutierte der Salon zur Rauchkuchl in der eine Rauchgasvergiftung drohte.

Rohr 150dpiSelbstverständlich passieren solche Dinge immer in meiner Abwesenheit, weshalb auf den ersten Blick dann auch nicht gleich ganz nachvollziehbar. Ein zweiter Versuch, das geliebte Oferl doch noch dazu zu bewegen, den Rauch wie immer durch das Ofenrohr über den Kamin entweichen zu lassen – schlug jedoch abermals fehl. Eine genauere Beobachtung ließ dann erkennen, dass der Rauch NICHT aus der Öffnung, sondern scheinbar DURCH den Ton drang.

Kleines Feuer Mitte 150dpiGroß war die Verzweiflung, in der Befürchtung, das Oferl sei nun völlig zerstört. Der Kerzengestank im Raum allein war schon unerträglich genug. Eine stundenlange Suche nach der Rechnung blieb erfolglos. Nichts war mehr auffindbar. Google sei Dank, rutscht die Welt immer mehr auf einen Laptop zusammen: In kurzer Zeit fand ich die Kontaktadresse in Deutschland und schickte sofort ein S.O.S.-Email los. Prompt meldete sich Sylvester Lohninger aus dem Blätterwald per Telefon. Wusste sofort, dass der Rauch niemals DURCH den Ton gekommen sein konnte, wenn keine Sprünge vorhanden sind. Sondern, dass vielmehr das Wachs inzwischen bis an die Oberfläche gedrungen war und dort „stinkend verqualmte“. Das war die schlechte Nachricht. Die gute – Tonoferl ist zu retten – mittels Pyrolyse.

Zierleiste I 150 dpiDazu musste es „nur“ wieder in den Blätterwald, nach Gutenstein geschafft werden. Eine tagelange Suche nach 2-3 kräftigen Helfern zum Tragen des Oferls endete nach fast einer Woche bei der gesamten Familie Scharinger: Vom Opa bis zu den Enkerln – VIELEN, VIELEN DANK! – gemeinsam bugsierten wir den Urtonofen vorsichtig in den Wagen, polsterten es gut aus und schon war es auf dem Weg zur „Heilung“.

Oferl ganz III 150dpiSylvester Lohninger erkannte sein Werk, trotz der vielen Jahre sofort voller Freude wieder. Mit Hilfe seiner Frau Li überbrückten wir auch den Weg bis in die Brennkammer. Dort im weichen Sand, nun all seiner blauen Ziersteine beraubt, ließ ich es zurück. In der Vorfreude, es schon am nächsten Tag wieder Heim holen zu dürfen. Dem Feuer dann, wie Phönix aus der Asche entstiegen.

Reparatur innenDie Zierleiste wird um die fehlenden Steine ergänzt und wieder erneuert. Und im Sommer, wenn das Oferl weniger gebraucht wird, werden wir einen Ausflug nach Gutenstein nutzen, damit es auch wieder ein neues Schild erhält. Denn auch dieses fiel der Energie der Kids bereits 2x zum Opfer und ist nun zwar noch relativ funktionstüchtig aber nur notdürftig repariert. Die Fertigung eines neuen Schildes, das den Ofen wirklich dicht schließt, braucht rund zwei Wochen, die wir jetzt im Winter jedoch nicht haben.

Rohr hoch 150 dpiSo war der Plan. Tatsächlich musste das Oferl dann doch drei Tage im Blätterwald verweilen, weil ausgerechnet – die Heizleiste im Brennofen nicht wollte wie sollte und der Elektriker nicht so schnell greifbar. Kleine Sprünge versorgte Sylvester Lohninger noch fachgerecht von innen. Kleine Kats wurden optisch versorgt. Wie „aus dem Ei gepellt“ stand dann das Oferl noch handwarm wieder vor mir. Familie Scharinger war aber wieder völlig unkompliziert und jetzt schon echt routiniert spontan zur Stelle. NOCHMALS VIELEN, VIELEN DANK! WAS TÄTE ICH OHNE SOLCHE NACHBARN UND FREUNDE? Die Ofenrohre fein geputzt. Hier lieh mir WALTER von nebenan einen richtigen Besen dafür. AUCH DIR VIELEN DANK!

Sand und Aschebeet 150dpiUnd das Einsetzen der Ziersteine kostete mich wirklich viel Überwindung und den Zuspruch einer netten Freundin: „Du hast so viel in dem letzten Jahr geschafft! Da werden doch die paar Steinchen kein Problem für Dich sein!“ „Denkste!“ Am 20. 12. um Mitternacht sprang ich endlich über meinen eigenen Schatten und um 3:15 erstrahlte das kleine Urtonoferl wieder in seiner alten Schönheit. Nun hieß es aber trocknen lassen. Weitere Tage warten und Sand musste eingefüllt werden.

Den Sand entführten wir der nun nicht mehr benötigten Sandkiste der Kinder. Er schien ideal dafür, da nicht staubend. Beim Umfüllen legte ich zwei Salamander im Winterschlaf frei – und verbuddelte Sie wieder schnell – um Sie nicht zu stören. Herzklopfen… so etwas hatte ich auch noch nie erlebt. Der Sand kam zum Trocknen nun in den Heizraum. Mit einem lustigen kleinen Feuer zu Heilig Abend wurde es dann aber trotzdem immer noch nichts. Denn der Sand musste noch ausgesiebt werden. Hierbei halfen uns tatkräftig unsere beiden Workawayerinnen aus China: Alice und Jamie: Herzlichen DANK auch EUCH!

Oferl ganz I 150dpiInzwischen prasselt es endlich wieder klein und fein im Oferl!

Damit dem Oferl aber in Zukunft nichts mehr passiert:
1. Sand bis 5 cm unter die Ladeluke füllen
2. Nie wieder Kerzen! Anderes Zeug sowieso nicht!
3. Nur wirklich trockenes Scheitholz verwenden – Hartholz wie Weichholz, Rinden- oder HARTholzbriketts. Nur 2-4 armdicke Scheite auf einmal. Viele hintereinander, wenig auf einmal!
4. Feuer in der Mitte legen, um eine gleichmäßige Hitzeentwicklung zu erreichen.
5. Tonofen langsam aufwärmen mit einem „wachsenden“ Feuer.
6. Das Schild darf erst wirklich dicht geschlossen werden wenn das Feuer zur Glut heruntergebrannt ist.
7. Um einen Sog zu erzeugen, kann das Schild anfangs nur einen Spalt breit geöffnet verwendet werden (für 1 Minute)
8. In kaltem Zustand mit dem Schild schließen.
9. Wird Weichholz verwendet benötigt es zusätzlich zum Schild einen Spritzschutz.

Die Strahlungswärme des Oferls sorgt bereits bei niedrigeren Temperaturen für ein angenehmes Raumklima. 18°C fühlen sich mit dem Oferl ebenso behaglich an, wie 22-24°C in einem Raum mit Warmluftkonvektoren. Und dem Auge tut das „Baucherl“ sowieso einfach gut!

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